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DIE SACHERTORTE VON MEINER OMA

Mein Oma ist Chaos pur. Sie ist nicht nur ein bisschen chaotisch und unordentlich. Sondern das personifizierte Chaos. Die Einkaufsliste wird auf der Rückseite vom Kontoauszug gemacht, ihre Brille lagert sie irgendwo in der Mikrowelle und im Improvisieren ist sie Weltmeisterin. Aber wenn sie ihre berühmte Sachertorte bäckt, dann wird sie ruhig und konzentriert.

Für dieses Rezept hält sie sich sogar ganz genau an die Mengenangaben. Beim Auftragen der Zuckerglasur spricht sie fast kein Wort und versinkt vollkommen in ihrer Tätigkeit. Ich durfte ihr dabei vor Kurzem über die Schulter schauen…

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Warnung zum Beginn

Ich will zu Beginn warnen. Dieses Rezept ist keines von diesen „5 Minuten – 2 Zutaten – No Bake-Cakes“ die im Netz kursieren. Für diese Sachertorte braucht man Muße.

Und Liebe. Für die Sponsionsfeier der Schwiegertochter eines entfernten Bekannten bereitet man diese Torte nicht zu.

Denn diese Torte ist Arbeit, das will ich gar nicht schönreden.

Sachertorte

Wenn man den Teig fertig gebacken hat, muss man die Torte mit Marmelade glasieren und mehrere Stunden trocknen lassen, am Besten über Nacht. Dann kommt die Schokoglasur, und man muss die Torte wieder ein paar Stunden trocknen lassen. Erst dann kann man (wenn man will) mit Zuckerglasur die Verzierung machen.

Warum sollte man sich das Backen dieser Sachertorte trotzdem antun?

Sachertorte

Diese Torte macht man für einen besonderen Anlass und für Menschen, die man besonders gern hat.

Und wer schon einmal im Hotel Sacher die berühmte Sachertorte gegessen hat und danach diese probiert, wird wissen, warum sich meine Oma mit ihren 88 Jahren diese Arbeit noch immer regelmäßig antut. Die Torte ist vom Geschmack der originalen Sachertorte recht ähnlich, aber sie ist um ein Vielfaches saftiger und fluffiger von der Konsistenz.


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Infos und Tipps zum Backen der Sachertorte

Sachertorte

Diese Torte braucht ein wenig Übung, wenn man gar keine Erfahrung mit dem Backen von Torten hat. Je nachdem, welchen Herd man hat, welches Mehl man verwendet, wie groß die Eier sind, etc., kann die Torte unterschiedlich gelingen. Meine Oma hat für diese Fälle ein paar Tricks auf Lager:

Die Torte ist zu trocken geworden!

In diesem Fall macht meine Oma manchmal sogar einen neuen Teig. Wenn das nicht mehr geht, schneidet sie den Teig in der Mitte statt einmal noch ein zweites Mal durch. Dadurch bekommt man eine Torte mit mehreren Schichten. Dazwischen kommt extra viel Marillenmarmelade. Durch die extra Marmelade wird der Teig saftiger.

Die Torte ist nicht aufgegangen!

Die Torte geht besser auf, wenn zum Schnee, der geschlagen wird, KEIN Salz hinzugefügt wird. Fragts mich nicht warum, aber meiner Oma war das sehr wichtig zu erwähnen …

Die Torte ist vollkommen schief!

Jetzt geht’s ans Basteln! Bei der letzten Torte hat meine Oma einfach ein Messer genommen und den Teil, der schief war, abgeschnitten. Die Schnipsel hat sie dann in der Mitte des Kuchens „versteckt“. (Siehe Bild unten)

Sachertorte

Die Verzierung mit Zuckerglasur ist misslungen!

Hier muss nun improvisiert werden, da kann aus einem „Herzlichen Glückwunsch“ schon mal eine Blumenwiese werden… Wenn die Schokoladenglasur schon vollkommen trocken ist, kann man auch vorsichtig versuchen, die Zuckerglasur wieder wegzuwischen.

Sachertorte

Equipment

Küchenwaage: Ich verwende so eine ähnliche Küchenwaage*, meine Oma so eine ähnliche Retro-Küchenwaage. Die ist zwar nicht so genau, aber dafür braucht man keine Batterien* ;D.

Mixer oder Küchenmaschine: Es genügt natürlich ein normaler Standard-Handmixer wie beispielsweise dieser. * Wer aber sowieso auf der Suche nach einer Küchenmaschine ist: ich war mit dieser Küchenmaschine immer sehr zufrieden.* Sie ist nicht besonders leistungsstark, aber hat ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, ist flexibel einsetzbar und auch erweiterbar. Wer viel bäckt, ist vermutlich mit dem Nachfolgermodell von Bosch besser beraten: MUM5 100.*

Tortenform: zwischen 20 und 26 cm Durchmesser, je nachdem, ob man die Torte lieber höher oder flacher haben möchte. Z.B. diese Springform.

Spritzform für die Zuckerglasur-Verzierung: Hier braucht man einen Spritzbeutel mit sehr dünner Spitze, wie beispielsweise in diesem Set vorhanden, damit die Schrift oder Zeichnung mit Zuckerglasur gelingt. Oder man formt Stanizeln aus Backpapier, die mit Stecknadeln fixiert werden (siehe letztes Bild im Rezept unten). Man kann die Zuckerglasur auch in ein Plastiksackerl (Tiefkühlsackerl) füllen und eine Ecke abschneiden (ca. 1mm). Stanizeln aus Backpapier funktionieren vergleichsweise besser, sind aber etwas schwieriger zu basteln. Man kann die Verzierung aus Zuckerglasur natürlich auch weglassen ;).

Langes Messer: zum Durchschneiden der Torte, oder ein Konditorenmesser, oder einen Tortenschneider, oder aber auch gleich ein ganzes Tortenschneider-Set*.

Sieb: Engmaschiges Sieb zum Sieben des Staubzuckers* oder auch ein Passiersieb*, das nicht nur zum Sieben sondern auch gleich zum Passieren von z.B. Soßen und Marmeladen verwendet werden kann.



Hier geht’s nun zum Rezept für die Sachertorte

Sachertorte

Sachertorte

Vorbereitungszeit 2 Stdn.
Zubereitungszeit 1 Std.
Arbeitszeit 15 Stdn.
Portionen 1 Torte

Zutaten
  

Für den Teig

  • 7 Eidotter
  • 7 Eiweiß
  • 110 g Kristallzucker
  • 130 g Schokolade halb dunkle halb Milchschokolade
  • 130 g Butter
  • 110 g Staubzucker
  • 120 g Mehl glattes Weißmehl

Zusätzlich

  • ~ 1 TL Butter zum Einschmieren der Tortenform
  • ~1 EL Mehl zum Bestauben der Tortenform
  • ~300 g Marillenmarmelade für die Füllung
  • ~150-200 g Ribiselgelee (ohne Ribiselkerne) zum Umhüllen der Torte

Für die Schokoladenglasur

  • ~150 g Milchschokolade
  • ~150 g Dunkle Schokolade
  • 1-2 EL Butter
  • 1-2 EL Margarine

Für die Zuckerglasur

  • ~100 g Staubzucker gesiebt
  • 2-3 Tropfen Zitronensaft
  • 1 Bisserl Eiweiß (nur ganz wenig, also ca. 1 TL)

Equipment (für mehr Infos siehe Blogartikel oben)

  • Küchenwaage
  • Mixer oder Küchenmaschine
  • Tortenform ca. 20-25 cm Durchmesser
  • Langes Messer zum Durchschneiden der Torte
  • engmaschiges Sieb für das Sieben des Zuckers (Zuckerglasur)
  • Backpapier oder Spritzform für Zuckerglasur

Anleitungen
 

  • Wiege alle Zutaten für den Teig mit einer Küchenwaage ab und stelle sie in einzelnen Schüsselchen zur Seite. Die Zutaten sollten genau abgewogen werden.
  • Trenne die Eidotter vom Eiklar. Wenn die Eier recht klein sind, kann man noch ein zusätzliches Ei nehmen.Mixe das Eiklar mit den 110g Kristallzucker zu einem festen Schnee (mit der Küchenmaschine oder einem Handmixer).
  • Wärme die 130g Schokolade, bis sie weich ist (aber nicht vollkommen flüssig). Gib einen Teil der Butter (ca. 30g) zur Schokolade und vermische das Ganze.
  • Den Ofen auf 180°C Heißluft vorheizen.
  • Gib den Eidotter, die restliche Butter und den Staubzucker in eine größere Schüssel und mixe sie gut. Dann füge die geschmolzene, ausgekühlte Schokolade hinzu und mixe weiter. (Deswegen gibt man vorher die Butter dazu, damit sie auskühlen kann aber trotzdem weich bleibt.) Nun kommt nach und nach das Mehl dazu, während weiter gemixt wird. Am Schluss wird der Ei-Schnee untergehoben. Das bedeutet, der Teig wird nicht mehr gemixt, sondern der Schnee nur ganz vorsichtig untergemischt.
  • Die Tortenform mit Butter einschmieren und mit Mehl bestreuen.Den Teig in eine Tortenform füllen und im vorgeheizten Ofen für 45-60 Minuten backen.
  • Die Form aus dem Ofen nehmen und stürzen (also umdrehen). Ca. 50-60 Minuten auskühlen lassen.Dann mit einem langen Messer in der Mitte waagrecht durchschneiden.Die untere Hälfte mit der Marillenmarmelade bestreichen. Während viele andere die Sachertorte nur „hauchdünn“ mit Marmelade bestreichen, ist die Marmeladeschicht bei meiner Oma ca. 0,5 cm dick, was die Torte viel saftiger macht.
  • Jetzt wird die obere Hälfte wieder auf die Torte „geklappt“ und die gesamte Torte mit Ribiselgelee bestrichen.Das Gelee gibt der Torte einen angenehm, ganz leicht säuerlichen Kontrast und hilft, dass die Torte nicht eintrocknet und länger haltbar ist.
  • Nun muss das Gelee trocknen, was ein paar Stunden dauert. Meine Oma lässt die Torte oft über Nacht trocknen. Die Torte muss dazu nicht in den Kühlschrank, sollte aber an einem kühlen Ort trocknen.
  • Wenn das Gelee getrocknet ist, kann man mit der Schokoladenglasur beginnen.Dazu werden ca. 250g Schokolade (halb dunkle, halb Milchschokolade) auf einen Teller gegeben und über einem Topf mit Wasser erhitzt. Damit die Glasur flüssig wird, kommt etwas Margarine und Butter dazu. Zuerst mit weniger Butter/Margarine anfangen und dann nach und nach mehr dazugeben, bis die richtige Konsistenz erreicht ist. Die Glasur sollte dickflüssig sein, aber trotzdem flüssig genug, damit sie sich später auf der Torte verteilen lässt.Mehr Butter macht die Glasur laut meiner Oma etwas fester, mehr Margarine macht sie etwas flüssiger.
  • Nun geht’s ans Übergießen: Meine Oma gibt dazu die Torte auf ein Backpapier. Dann nimmt sie die gesamte Torte in die linke Hand und nimmt die rechte Hand zum Übergießen. Sie schwenkt dabei die Torte in alle Richtungen, damit sich die Glasur schön verteilt und glatt wird.Profis stellen die Torte dann auf ein Tortengitter, dass die überflüssige Glasur abrinnt. Meine Oma verteilt die überschüssige Glasur mit einem Löffel am Tortenrand und lässt mich den Rest aufessen 😉 .Die Glasur der Sachertorte muss nun wieder trocknen (für ca. 2 Stunden).
  • Wenn die Schokoladenglasur getrocknet ist, kann die Zuckerglasur vorbereitet werden.Zuerst siebt meine Oma ca. 100g Staubzucker, damit keine Bröckerln in der Glasur bleiben.Dann mixt meine Oma den Staubzucker mit ein paar Tropfen Zitronensaft und ganz wenig Eiweiß. (Ca. 1 TL).
  • Dann formt sie mit Backpapier ein Stanizel und verziert die Torte. Dazu steckt sie das Backpapier mit einer Stecknadel zusammen. (Oder man nimmt eine Spritzform).

6 Antworten auf „DIE SACHERTORTE VON MEINER OMA“

Vielen lieben Dank! Ja, das Rezept sind ca. 60 Jahre Torten-Erfahrung 😉 Grüße nach Berlin!

Hallo Melanie, nein man braucht tatsächlich kein Backpulver, hab gerade noch einmal nachgeschaut. Ich glaube der Eischnee trägt stattdessen dazu bei, dass der Teig aufgeht.

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